Die Freundschaft mit Heinrich Altherr (Basel 1878 - Zürich 1947)



Prof. Altherr: Selbst (1915)
Prof. Altherr: Selbst (1915)

Prof. Altherr Photo (undatiert)
Prof. Altherr Photo (undatiert)

P. Kälberer: Prof. Altherr (1936)
P. Kälberer: Prof. Altherr (1936)

P. Kälberer: Prof. Altherr (1939)
P. Kälberer: Prof. Altherr (1939)

Der Schweizer Heinrich Altherr wurde 1913 durch besondere Befürwortung von Prof. Landenberger als Lehrer an die Kunstakademie in Stuttgart berufen, deren Direktor er von 1919-1921 war.
Im Schwerpunkt lehrte Prof. Altherr Kompositionslehre bis 1939. Paul Kälberer war Meisterschüler von 1925-1927 bei Prof. Landenberger. 1937 wird der Malstil von Altherr von den Nationalsozialisten als "entartet" verurteilt.


Der freundschaftliche Kontakt zwischen Prof. Altherr und Kälberer lässt sich mindestens bis Anfang 1934 zurückverfolgen. In einem Brief vom 9.2.1934 schreibt Paul Kälberer an seine Frau Gesa: "Vorgestern ab 5 Uhr war ich bei Altherr. Heinrich [Kralik von Meyerswalden] und später Marianne [Frau von Heinrich] kamen auch hin. Der Besuch war für mich sehr interessant. Nach 7 Uhr mussten wir mit in die nahe gelegene, schöne Wohnung zum Essen, und dann wurde es richtig ½ 12 Uhr. Anwesend waren, außer den Genannten, Frau Altherr, Altherr's Schwester aus Zürich, Kuhn und später Bäuerle. Heinrich sang Einiges und Frau Prof. A. spielte am Flügel. So war es anregend und nett dort. Altherr und seine Frau wollen dann im Frühjahr uns besuchen."


Im November 1936 sitzt Heinrich Altherr seinen Freunden (Reder, Kälberer, u.a.) zum Zeichnen. Es entstehen mindestens 4 Zeichnungen, welche im Paul-Kälberer-Archiv erhalten sind.


Kälberer teilt mit Altherr die damals an der Stuttgarter Akademie weit verbreitete Farbigkeit (viele Erdfarben) stand allerdings dessen expressionistischem, mitunter theatralisch - prophetischem Duktus reserviert gegenüber. Die Freundschaft beruht auf gegenseitiger persönlicher und künstlerischer Wertschätzung, ohne dass von einem direkten Einfluss des Professors auf den der "Neuen Sachlichkeit" zugewandten Kälberer gesprochen werden kann. Wohl aber greift Kälberer in seinem im März 1939 entstandenen und 1954 überarbeiteten Porträt Altherrs dessen Farbigkeit auf.


Vor seiner Rückkehr in die Schweiz im November 1939 schenkt Heinrich Altherr seinem Freund P. Kälberer zwei Ölskizzen, "Am Abend nach der Schlacht" und "Vision".
Bis zu Altherrs Tod stehen die beiden Künstler in Briefkontakt.


Literatur:

Überwasser, Walter und Braun, Wilhelm: Der Maler Heinrich Altherr. Sein Weg und Werk. Orell Füssli Verlag, Zürich, 1938.

Heinrich Altherr. Ausstellung vom 24.Juni bis 6. August 1978. Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

Baum-Fleischauer-Kobell: Die Schwäbische Kunst im 19. und 20. Jahrhundert. DVA. Stuttgart, 1952.
Altherr: Am Abend nach der Schlacht (ca. 1932-1937)
Altherr: Am Abend nach der Schlacht
(ca. 1932-1937)
Altherr: Vision (ca. 1932-1937)
Altherr: Vision (ca. 1932-1937)